Wednesday 24. July 2019

Singt dem Herrn alle Länder der Erde (Ps 96) GL 54,1-2

 

 

Text

Der Kehrvers 54,1 vertont die Verse 1b und 2a von Ps 96; beide finden wir im neuen GL in der numerisch geordneten Gruppe der Psalmen, die auch den ersten großen Liedteil des Buches bildet.

 

Musik

Die Melodie von Klaus Wallrath (2009) setzt sich aus zwei ähnlich gebauten Halbzeilen zusammen: Anfang mit betonter Aufforderung („Singt dem Herrn“) in markigen Quartschritten, dann bis h´ (Länder) auf- und bis zum tiefsten Ton e´(Erde) absteigender Bogen; neue Aufforderung mit stufig ansteigender Melodik, Aufschwung zum Spitzenton d´´ (preist) und offener Halbschluss auf der Dominante h´: Die Fortsetzung der Psalmodie – hier mit dem VIII. Psalmton – wird dadurch zwingend notwendig.

 

Liturgie

Als einer der sogenannten Königspsalmen ist Ps 96 thematisch von der Huldigung des Herrn und Königs sowie von der Freude über das kommende Gottesreich geprägt.

Daher findet Ps 96 seinen vornehmsten Platz

als Antwortpsalm in der HL. Nacht (A-C) und in der Weihnachtsoktav seinen Platz

im Lesejahr C am 2. So. i. Jk.

im Lj. A am 29. So. i. Jk.

Als allgemeiner Antwortpsalm ist er für die Weihnachtszeit geeignet

Auch als Eröffnungsgesang findet er passende Verwendung (tretet ein…)

In der Tagzeitenliturgie hat er seinen festen Platz in der Vesper der Weihnachtszeit (GL 635), passt aber inhaltlich auch gut in das Morgenlob

Im weiteren Sinn eignen sich einzelne Verse (Vs.11-15) auch für das Thema Schöpfung, also Erntedank, Kräutersegnung, Bittprozessionen etc.

 

Musikalische Ausführung

Kv mit VIII. Psalmton wie unter Nr. 54 angegeben

Die entsprechenden Psalmvertonungen aus KB (13,65), Kantorale 6, K2 7,8 sind mit dem Kehrvers 54,1 leider nicht kompatibel

abwechslungsreich wäre eine Ausführung anhand Psalmton IIIa + Ergänzungszeile von H. Rohr, wie wir sie im KB (S. 284- Modell I/3) finden

eine improvisierte Psalmrezitation auf zwei Tönen könnte so aussehen:

Singt dem Herrn ein neues Lied / singt dem Herrn alle Länder der Erde!

a´……………………………..h´ / h´……………………………………a´

oder auf den Tönen

(e´)………………………….fis´ / fis´…………………………………..e´

            Siehe dazu auch Notenbeilage

 

Erläuterungenzum Psalmtext

V. 1-3 Aufforderung zum Lobpreis

Ps 96 ist nicht nur die zentrale Mitte der Königspsalmen 93-99 sondern im wahrsten Wortsinn auch ein Psalm zum „Singen“, und zwar nicht zum Singen in gewohnt abgedroschener Manier, sondern zum Singen mit neuen Tönen, neuen Liedern, vielleicht auch in er-neuerter Haltung; weiters ist er nicht zum Singen im stillen Kämmerlein gedacht, sondern soll in alle Länder, Sprachen und Formen vorgetragen werden. Mit dieser Einleitung wird auch vorweg schon die Universalität und das Heil Gottes (s. V. 14) für alle Völker angekündigt.

V. 2 steigert die Aufforderung durch Wiederholung und Erweiterung des Lobpreises zum einen auf den Namen und damit die Anerkennung des Herrn, zum anderen auf die zeitliche Dimension: Ununterbrochen und gleichsam grundlegendes Tun im geordneten Alltag des Lebens (von Tag zu Tag) soll das Lob und die Verkündigung seiner Heilstaten sein.

In Vers 3 nennt uns der Psalmist den Grund der Freude: Herrlichkeit und Wundertaten Gottes

V. 4-6, Begründung seiner Herrlichkeit

Mit dem Wörtchen „Denn“ beginnt ein neuer Abschnitt: Der Herr und Gott Israels ist mehr zu verehren als alle Götter, „alle Götter sind Nichtse“ lautet eine andere Übersetzung, das heißt, über allen von Menschen verehrten „Götzen“ der irdischen Vergänglichkeit steht Er. Nicht wie die Heiden ihre menschenfeindlichen Götter in bedrohlichen Naturgewalten wohnen lassen hat Jahwe den Himmel erschaffen und seine Herrschaft ist gekennzeichnet von Pracht und Glanz, sodass die Anerkennung seines Wesens auch den Menschen aus seiner Erdentiefe aufhebt und ihm Würde, Herrlichkeit und Ansehen verleiht.

V. 7-10, Aufforderung zum Lobopfer, Gott ist König

In dieser zweiten Aufforderung gilt das Lob, ja vielmehr das Lob-opfer, der in V. 6 erwähnten Hoheit und Macht Gottes, und sie ergeht an alle Stämme, also die ganze Menschheit hat Anteil an Gottes Macht und Herrlichkeit.

Mit dem Bild der jüdischen Tempelliturgie fordert uns der Psalmist auf, dem Namen des Herrn unser Lob zu opfern, ihn also anzuerkennen, uns vor ihm zu verneigen, ohne Stolz, mit Ehrfurcht und Demut, aber auch in heiligem Schmuck, gleichsam herausgeputzt, losgelöst vom Schmutz des Alltages, vom Stress der täglichen Mühen und gereinigt von allen Sünden und Fehlern; zugleich aber erhebt und heiligt Gottes Herrlichkeit auch all jene, die ihm anerkennend ihr Lob darbringen.

In prägnanter Kürze der folgenden Imperative (Erbebt vor ihm……/ Verkündet bei den Völkern….) nimmt die Spannung immens zu, rückt das Endziel allen Lobes unmittelbar näher: DER HERR IST KÖNIG – ehrwürdig, emotionales Erschauern führt zu missionarischem Tun und zu überzeugter Verkündigung seines Königtums.

V. 11-15, Jubel der Schöpfung und kommendes Gottesreich

Der Erdkreis als Symbol der vollkommenen und allumfassenden göttlichen Schöpfung (s.a. Klammer zu V. 15) die feststeht und allen Menschen Halt und Sicherheit bietet, die Wiederherstellung der Rechtsordnung, die allen Völkern gilt, die den Rechtlosen, Ausgestoßenen und Schwachen Hilfe bringt- beide Heilstaten Gottes bedingen eine dritte Aufforderung zum Lob, jetzt durch den ganzen Kosmos: Himmel – Meer – alle Geschöpfe der Erde, freuen – frohlocken – brausen – jauchzen – jubeln, ein kosmischer Lobpreis in unüberbietbarer Bild- und Tonmalerischer Begeisterung.

Mit der zentralen Aussage über das Kommen des Herrn und die Errichtung des Reiches Gottes in V. 14 wird die Heil und Gerechtigkeit bringende Bedeutung des Königtums erläutert. Der ganze Kosmos jubelt „vor dem Herrn, wenn er kommt“ – eine kurze Zäsur steigert die Heilserwartung – die Wiederholung „wenn er kommt“ bestätigt die Heilszusage; auch der folgende Halbvers wird durch Wiederholung in seiner Aussage bekräftigt: „Um die Erde zu richten….“ - beim ersten Mal die Art seiner Rechtsprechung und die weltweite Wirksam- und Gültigkeit seiner Ordnung, beim zweiten Mal ausführlicher:„er richtet den Erdkreis gerecht.“ Durch die wörtliche Bezugnahme auf V. 11 wird das dort versprochene Rechtswirken abschließend um einen wesentlichen Aspekt erweitert und vertieft: „ und die Nationen nach seiner Treue“- d. h. getreu seinem Versprechen, getreu seiner Heilsordnung stellt Gott Recht und Gerechtigkeit wieder her und führt die Menschen dadurch zum Heil.

So bildet der Psalm 96 einen imposanten Hymnus auf Gott den König und auf das Heil und die Herrlichkeit seines kommenden Reiches.

Herbert Gasser

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