Freitag 17. November 2017

Lieder österreichischer Volksgruppen im Gotteslob 

 

"Die Kultur jeder Nation drückt sich unter anderem, und mehr als in allem anderen, in der Sprache aus. Die Sprache ist die Form, die wir unseren Gedanken geben; sie ist wie ein Gewand, in das wir unsere Gedanken kleiden. Die Sprache schließt die besonderen Wesenszüge der Identität eines Volkes und einer Nation ein. Und in einem gewissen Sinn ist in ihr das Herz dieser Nation verborgen, weil in der Sprache, in der eigenen Sprache, all das den Ausdruck findet, von dem die menschliche Seele in der Gemeinschaft einer Familie, der Nation, der Geschichte lebt." (Johannes Paul II.)

 

Zweifellos sind auch Religion und Sprache aufs engste miteinander verbunden. Die Sprache gibt dem Menschen die Möglichkeit, Gottes Anruf in ihr zu hören, zu beten und Gott zu preisen. Eine wichtige Funktion hat Sprache in der kirchlichen Liturgie. Seit dem Konzil kommt der Muttersprache eine besondere Berücksichtigung in der Verkündigung zu. "Entscheidend ist, dass dieses verkündete Wort in der Muttersprache auf die Gläubigen zukommt; nur so kann es unmittelbar zünden und in den Hörenden die Assoziationen wecken, die nur die Muttersprache zu wecken vermag." (Balthasar Fischer)

 

"Menschen bedürfen des ganzen verfügbaren Reichtums einer geschichtlich gewachsenen Sprache, um sich als sie selber ausdrücken zu können. Erst damit, dass sich all ihr eigenes Denken, Fühlen, Wollen und Vorstellen darin vollzieht, empfinden sie diese Sprache als die ihre."

 

In unserem Land, wo seit jeher neben der deutschen auch andere Kulturen und Sprachen heimisch sind und sich teilweise vermischen, kommt den liturgischen Gesängen in den verschiedenen Muttersprachen ein bedeutender Stellenwert zu. Im Österreichteil des "Gotteslob" von 1975 wurde diesem Umstand noch nicht Rechnung getragen, während bei der Vorbereitung der neuen Ausgabe von Anfang an die Entscheidung feststand, auch Lieder der österreichischen Volksgruppensprachen in den Österreichteil aufzunehmen.

 

Es waren zunächst mehrere Gesänge in jeder Sprache vorgesehen, die jedoch den verfügbaren Raum sprengen würden. So verblieben im neuen "Gotteslob" je ein Marienlied in slowenischer, kroatischer und ungarischer Sprache, das Lied zum Mitteleuropäischen Katholikentag in slowenischer, ungarischer, burgenländisch-kroatischer, tschechischer, polnischer und slowakischer Sprache, sowie die Übersetzung des wohl weltweit bekanntesten Liedes in deutscher Sprache "Stille Nacht" auch in Slowenisch, Burgenländisch-kroatisch, Ungarisch und Romanes.

 

Gerade die beiden letzten sind von tiefer symbolischer Bedeutung, laden sie uns Christen doch ein, mit gemeinsamen Liedern Brücken über Sprachgrenzen hinweg zu schlagen und Verständigung zu suchen zur gegenseitigen Bereicherung und Ergänzung. Die drei Marienlieder aber weisen uns darauf hin, dass die einzelnen Volksgruppen über einen reichhaltigen eigenen Liedschatz verfügen, der in zusätzlichen Gesangs- und Gebetbüchern festgehalten ist und auch in Zukunft neben dem Gotteslob die zwei- und mehrsprachige Liturgie in österreichischen Pfarrgemeinden prägen wird. Denn "Menschen bedürfen des ganzen verfügbaren Reichtums einer geschichtlich gewachsenen Sprache, um sich als sie selber ausdrücken zu können. Erst damit, dass sich all ihr eigenes Denken, Fühlen, Wollen und Vorstellen darin vollzieht, empfinden sie diese Sprache als die ihre." (Wilhelm Korff)

 

Josef Marketz

Ein Wort zuvor...

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"Wunschlieder"

Zum Erstellen der Auswahl der Lieder im neuen "Gotteslob" wurde erhoben, welche Lieder im bisherigen "Gotteslob"  am meisten vermisst wurden - alte und neue.

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