Freitag 17. November 2017

Das neue "Gotteslob" und die Ökumene

 

 

Die Erfahrung bei gottesdienstlichen Feiern zeigt es: Gemeinsames Singen verbindet. Wer die einzelnen Stimmen zu einem Lied oder Gesang zusammenfügt, erlebt sich als Teil einer Gemeinschaft, mag diese auch noch so verschieden sein. Einstimmiges Singen lässt Einheit erfahren. Mehrstimmiges Singen zeigt, dass es trotz Unterschiedlichkeit harmonisch klingen kann. Was durch das Singen körperlich erfahren wird, eröffnet eine weitere Dimension, was das Miteinander der verschiedenen christlichen Kirchen betrifft. Wo ein gemeinsames Feiern der Eucharistie noch nicht möglich ist, kann Einheit schon jetzt im Gesang erlebt werden.

 

Vielstimmigkeit muss nicht zwangsläufig im Chaos und in Dissonanzen enden. So ist gemeinsames Singen schon heute ein Vorgreifen auf das, was wir gemeinsam erträumen und erhoffen. Und wenn man sich umschaut, so ist es schon vielfach gängige Praxis, wo Gottesdienste ökumenisch gefeiert werden, sei es zwischen Pfarrgemeinden, an Schulen, in der Öffentlichkeit oder bei Kasualien.

 

Das ö-Zeichen

 

Eine Hilfe zum Auffinden der Lieder, die den verschiedenen Konfessionen gemeinsam sind, ist das ö-Zeichen. Es ist quasi das Label für ökumenisches Singen und wird von der Arbeitsgemeinschaft für Ökumenisches Liedgut (AÖL) vergeben. Diese Gruppe besteht seit 1969 und setzt sich aus VertreterInnen der evangelischen, katholischen, altkatholischen und freikirchlichen Traditionen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zusammen. Dabei werden gemeinsame Liedfassungen in Melodie, Textfassung und Strophenzahl erarbeitet.

 

Ein sogenannt volles ö erhält ein Lied, wenn es in allen drei Bereichen übereinstimmt. Ein sogenannt eingeschränktes (ö) steht im Inhaltsverzeichnis oder bei der Liednummer, wenn zwar die Melodie übereinstimmt, aber die Textfassung und/oder die Strophenzahl von der von der AÖL beschlossenen Fassung abweichen. Das ö fehlt, wenn zwar der Text übereinstimmt, aber eine andere Melodie gewählt wurde. Im Stammteil des neuen Gotteslobs werden über 160 Lieder und Gesänge mit ö und rund 35 mit (ö) zu finden sein.

 

Ein nicht endender Prozess der Erneuerung

 

Der AÖL ging es zunächst einmal darum, für bewährte Kirchenlieder aus der Zeit der Reformation und danach gemeinsame Fassungen zu schaffen. Gerade diese Lieder enthalten in ihren Originaltexten manche Spitze zur Abgrenzung gegen die jeweils anderen. In manchen Fällen mussten für einzelne lateinische Worte des Originals gut singbare deutsche Übersetzungen gefunden werden.

 

Die Erarbeitung des Gotteslobs von 1975, des Evangelischen Gesangbuches von 1993 und des jetzigen Gotteslobs 2013 sowie der römisch-katholischen und reformierten Kirchen der Schweiz von 1998 war jeweils Ansporn, weitere gemeinsame Liedfassungen zu erarbeiten. Inzwischen bestehen auch eine ganze Reihe von Liedern des 20. und 21. Jahrhunderts als ö-Fassungen. Auch weitere Gesangbücher kleinerer Kirchen haben das ö-Zeichen übernommen.

 

Weitere Lieder aus der Ökumene

 

Darüber hinaus enthält das neue Gotteslob etliche Lieder, die ein Fenster in weitere christliche Kirchen öffnen, z.B. das Allerheiligenlied "Für alle Heilgen in der Herrlichkeit" aus der anglikanischen Tradition, übersetzt vom Baptisten G. Balders oder die dem englischen Original folgende Übersetzung von "Näher, mein Gott, zu dir" des Methodisten E.F. Wunderlich. Es ist zu begrüßen, dass mit diesen Liedern der Horizont der weltweiten Kirche Christi aufscheint.

 

Mag. Esther Handschin

Pastorin der Evangelisch-methodistischen Kirche

in Salzburg und Hymnologin

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