Freitag 17. November 2017

„Geistliche Impulse für das tägliche Leben“

Fortsetzung der Serie in der "Standeszeitschrift" der Berufsgemeinschaft der Mesnerinnen und Mesner in Österreich (Juni 2014).

 

„Gott macht den Anfang“

„Die Initiative zum Beten liegt bei Gott“ (GL 2,2), mit diesen Worten beginnt die Einführung in den Abschnitt, der das Gotteslob zum Gebetbuch macht. Menschliches Beten und Singen ist immer schon Antwort darauf, dass Gott sich uns zuwendet – etwa im Wort der Heiligen Schrift. Ganz in diesem Sinn führt einleitend eine kleine „Bibelschule“ ein in das Hinhören auf Gottes Wort und gibt Anregungen für die „Persönliche Schriftlesung“ wie für das „Bibellesen in Gemeinschaft“ (vgl. GL 1).

Der Gebetsteil selbst versteht sich als eine Schule des Betens, will Hilfe geben, Gott im Gebet Antwort zu geben auf seine Zuwendung: „Nicht durch eine bloße Sammlung von Gebeten, sondern durch ausgewählte Beispiele können die verschiedenen Formen des Gebetes erschlossen werden“ (Herbert Meßner).

An der Spitze der „Grundgebete und Glaubenstexte“ stehen das Kreuzzeichen, das Vaterunser und andere Texte der Tradition, die eng mit der biblischen Botschaft verbunden sind: etwa das „Ehre sei dem Vater“, das Glaubensbekenntnis, der „Engel des Herrn“ bis hin zum „Rosenkranz“ (GL 4), dessen Vollzug beschrieben und durch eine Zeichnung erschlossen wird.

 

GL 2,2: „Die großen Gebete der christlichen Tradition bringen unsere Anliegen oft besser zur Sprache, als wir es selbst vermögen. Wir sind in ihnen aufgehoben, finden Raum und Halt und spüren die tragende Hand Gottes...
Neben dem gemeinsamen Gebet in der Kirche gibt es viele Formen des Betens im Alltag: das Kreuzzeichen am Morgen, das Entzünden einer Kerze, ein kurzes Innehalten zwischendurch oder das Tischgebet. Was tagsüber alles einströmt, wird abends in der Gewissenserforschung rückblickend betrachtet: Wie hätte Jesus gehandelt? Ob im großen feierlichen Gebet oder im stummen Verharren – jeder kann beten. Gott nimmt mich in seiner Liebe an, wie ich bin.“

 

Beispiele aus der Schule des Betens

Lehrer und Lehrerinnen in der Schule des Betens sind Menschen aus allen Epochen – große Heilige mit bekannten Namen wie Augustinus oder Theresa von Avila, aber auch Menschen unserer Zeit: Familien, Frauen, Männer, Jugendliche und Kinder aus verschiedenen Kontinenten und Ländern.

 

Die Beispielgebete sind thematisch geordnet.

Für Mesner/innen hervorzuheben ist etwa der ganz neue Abschnitt „Im Haus Gottes“ (vgl. GL 5): Kurze Gebete und Hinweise helfen, den Kirchenraum als Raum der Gegenwart Gottes zu erfahren. Weihwasser und Kreuzzeichen werden als Bewusstmachung der Taufe erschlossen; besondere Orte in der Kirche (Kreuz, Kreuzweg, Marienbild, das Entzünden einer Kerze und der Tabernakel) können durch betendes oder stilles Verweilen in ihrer Tiefenbedeutung erfahren werden.

Der Abschnitt „Vor Gottes Angesicht“ (GL  6 – 9 und 700) vereint als Antwort auf die beständige liebende Nähe Gottes Gebete zum Dreifaltigen Gott und an die einzelnen göttlichen Personen: zum Vater, zu Jesus Christus, zum Heiligen Geist. Als besondere Gebetsinhalte kommen Vertrauen, Lobpreis, Klage, Bitte, Dank, Hingabe und Umkehr zur Sprache. Hier finden sich u.a. auch Gebete zur Kommunion (vgl. GL 8), die hier vorzüglich passen, aber vielleicht eher im Zusammenhang mit der Feier der Heiligen Messe gesucht werden. GL 10 stellt die Betenden in die Gemeinschaft mit Maria, den Engeln und Heiligen; der Österreich-Eigenteil ergänzt unter dieser Rubrik das Hemma-Gebet (vgl. GL 701,2) von Papst Johannes Paul II., das dieser bei seinem Österreichbesuch 1988 am Grab der Heiligen sprach, ein Gebet um Wege zu einem versöhnten Leben in Frieden.

Das menschlichen Leben und Glauben in der ganzen Breite der Erfahrungen

Die weiteren thematischen Zusammenstellungen orientieren sich am Rhythmus der Zeit, an Situationen des menschlichen Lebens sowie am Blick auf „Welt“ und „Kirche“:

„Meine Zeit in Gottes Händen“ (vgl. GL 11–13) umfasst Morgen-, Tisch- und Abendgebete sowie eine Auswahl an Segensbitten. „Mein Leben vor Gott bringen“ führt zunächst ein in das „Beten mit Kindern“ mit Anregungen und Beispielen entlang des Tagesablaufs (GL 14); der Österreich-Eigenteil ergänzt diese Rubrik mit einem zusätzlichen „Gebet von Eltern, wenn ihr Kind auf Reisen ist“ (GL 702). Es folgen Gebete für die verschiedenen Lebensalter und besondere Situationen des menschlichen Lebens wie Partnerschaft, Arbeitsalltag (GL 16), Leiden, Not, Krankheit und Tod (17–18).

 

Die Beispiel-Gebete berücksichtigen „die unterschiedlichen Glaubens- und Lebenserfahrungen der heutigen Menschen in ihrer Religiosität, Spiritualität und Glaubenssuche“ sowie die „unterschiedlichen Bedürfnissen aller Lebensalter“.

(Aus den Grundlinien für die Erarbeitung des Gotteslob)

 

Dem Beten aus Solidarität mit unserer Welt, der Gesellschaft und in den Anliegen der Kirche sind die Nummern 19 bis 21 sowie 704 gewidmet: Friede, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung finden hier ebenso Ausdruck wie der Dialog der Religionen, die Einheit der Kirche oder die Sorge um geistliche Berufungen. Texte zu Wallfahrten als wieder entdeckte Ausdrucksform des Glaubens heutiger Menschen (GL 22,4) schließen das „Gebetbuch“ im Stammteil ab.

 

In der Familie feiern

Dieser Abschnitt (GL 23–28) enthält Angebote für das Feiern in der Familie, kann aber ebenso Anregungen geben für die Gestaltung von einfachen Feiern in der Nachbarschaft, in einer pfarrlichen Runde (z.B. von KFB, KMB, diversen Arbeitskreisen).

Einleitend wird erschlossen, welche Bedeutung das gemeinsame Gebet (in der Familie) hat: „Wo zwei oder drei im Namen Jesu versammelt sind, da ist er mitten unter ihnen (vgl. Mt 18,20). Deshalb beten wir nicht nur allein, sondern auch gemeinsam. Hier ist angesprochen, dass das Versammeln von Getauften ein Sinnbild für die Gegenwart des Auferstandenen ist, wie die Kirche allgemein so auch die „Hauskirche“ oder andere Versammlungen von Glaubenden.

Als Anlässe werden unter anderem angeführt: die Segnung des Adventskranzes (GL 24), eine Feier am Heiligen Abend (GL 26) sowie verschiedene Lebenssituationen von der Geburt über Jubiläen und persönliche Gedenktage bis hin zum „Hausgebet für Verstorbene“ (GL 28).

 

Zum Gebetsschatz unserer Kirche gehören auch die Psalmen

„Der Psalter ist das Dokument einer langen Glaubens- und Gebetsgeschichte. Generationen von Menschen haben Freude und Leid, Kampf für Gerechtigkeit und Widerstand gegen Unterdrückung, Erleben festlicher Gemeinschaft und geschwisterliches Ertragen von Unglück in Klage und Lobpreis, in Bitte und Dank vor Gott getragen“ (GL 30). Im Gotteslob sind die Psalmen– zusammen mit den Ergänzungen im Österreich-Eigenteil insgesamt 78 – am Beginn des zweiten Hauptabschnitts in Übersicht zusammengestellt (vgl. GL, Seite 127f.); Überschriften bei den einzelnen Psalmen sind eine Hilfe bei der thematischen Suche nach geeigneten Möglichkeiten.

 

Litaneien

Für das Beten in Gemeinschaft enthält das Gotteslob außer den Psalmen auch die Litaneien. Ihr Anteil wurde deutlich erhöht, um aktuelle Bedürfnisse berücksichtigen zu können: etwa den Aspekt der Schöpfung mit dem Sonnengesang des hl. Franz von Assisi (GL 19,2) und einem Schöpfungslob (GL 619); neu ist auch die „Litanei von der Anbetung Jesu Christi“ nach dem ostkirchlichen Hymnos Akatistos (GL 562). Der Österreich-Eigenteil ergänzt die „Litanei von den Heiligen und Seligen Österreichs“ (GL 974).

 

„Wer singt, betet doppelt“, sagt der hl. Augustinus. In diesem Sinn ist das Gotteslob auch mit seinen Gesängen ein Gebetbuch, dessen Schatz nach und nach entdeckt werden will.

 

(Fortsetzung folgt. Nächstes Mal: Das Gotteslob als Liturgiebuch für die Feier der Messe und der Sakramente)

Christoph Freilinger, Österreichisches Liturgisches Institut/Salzburg

Entstehung und Hintergründe des "Gotteslob"

Ein Video

Ein Wort zuvor...

Wortlaut des Vorworts der österreichischen Bischöfe zum neuen Gotteslob

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Lieder und Gesänge im "Gotteslob"

Im neuen "Gotteslob" finden sich rund 650 Gesänge, Kehrverse, Kanons und (Antwort-)Rufe sowie 457 Lieder.

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"Wunschlieder"

Zum Erstellen der Auswahl der Lieder im neuen "Gotteslob" wurde erhoben, welche Lieder im bisherigen "Gotteslob"  am meisten vermisst wurden - alte und neue.

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Grundsätze, Ansprüche, Kriterien

Offizielle Grundlinien für die Erarbeitung des Gemeinsamen Gebet- und Gesangbuches.

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Veränderte Sprache

Gesellschaftliche Entwicklungen verändern das Lebensgefühl: Das hat Auswirkungen auch auf Spiritualität und Frömmigkeit in einer Gesellschaft und auf die Rede von Gott.

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Verändertes religiöses Wissen

Wie mache ich das Kreuzzeichen richtig? Wie geht das Rosenkranz-Gebet? - "Basics" des christlichen Glaubens können heute nicht mehr vorausgesetzt werden.

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