Freitag 17. November 2017

„… damit ihr Gottes Melodie aufnehmt und einstimmig durch Jesus Christus dem Vater singet“ (vgl. Ignatius von Antiochien)

 

In der "Standeszeitschrift" der Berufsgemeinschaft der katholischen Mesnerinnen und Mesner Österreichs erschien im April 2014 der erste Teil einer Serie zum neuen "Gotteslob"

 

Mesnerinnen und Mesner haben zu Beginn des Kirchenjahres, Anfang Advent, alle Hände voll zu tun. In den meisten Diözesen Österreichs galt es zusätzlich zu den sonst um diese Zeit anstehenden Arbeiten im vergangenen Advent auch das bisherige „Gotteslob“ aus den Kirchen zu entfernen und alles für das „neue“ vorzubereiten. Mesner/innen in den (Erz) Diözesen Wien, Eisenstadt und Gurk-Klagenfurt, die die offizielle Einführung auf einen späteren Zeitpunkt verschoben hatten, steht diese Aufgabe jetzt im Osterfestkreis bevor. Mit dem Einlangen der Bücher in unseren Pfarren ist ein Projekt ans Ziel gekommen, das über zehn Jahre viel Arbeitsenergie von insgesamt etwa 250 Personen gebunden hat. Warum so viele? Weil das Gotteslob das offizielle Rollenbuch der Kirche für die Feier unserer Gottesdienste ist – in Österreich, Deutschland, Südtirol und Teilen Lüttichs. Neben dem Schatz an Feiern, Gebeten und Gesängen, der in allen 38 Diözesen gemeinsam gepflegt wird, mussten auch die Bedürfnisse und spezifischen Traditionen der einzelnen Regionen von Hamburg bis Bozen und vom Neusiedlersee bis zum Rhein zwischen den zwei Buchdeckeln Platz finden. Das erforderte komplexe Arbeits- und Entscheidungsstrukturen.

 

Ein Buch für die heutige Zeit

Wichtig war den Bischöfen und den von ihnen beauftragten Arbeitsgruppen, dass im neuen Gotteslob die vielfältigen Glaubens- und Lebenserfahrungen der heutigen Menschen ein Angebot finden. Das neue gemeinsame Gebet- und Gesangbuch sollte den unterschiedlichen Bedürfnissen aller Lebensalter in Gebeten und Gesängen, Texten und Gestaltung Rechnung tragen. Deshalb erhob man in aufwändigen Befragungen die Wünsche der Gläubigen. In allen beteiligten Diözesen wurden Inhalte, Druckbild, grafische Gestaltung und Äußeres des Buches in ausgewählten „Probepfarren“ frühzeitig getestet und die gewonnenen Erkenntnisse im weiteren Prozess berücksichtigt.

 

"Das neue Gotteslob scheint mir im Unterschied zum Vorgängerbuch viel stärker aus einem Rezeptionsprozess entstanden zu sein. Man hat geschaut, was die Gemeinden brauchen, welche Lieder vor Ort lebendig sind – und das hat man dann im Gesangbuch aufgegriffen" (Meinrad Walter, Musikwissenschaftler)

 

Warum überhaupt ein neues Gotteslob?

Weil sich Vieles verändert hat in den knapp vierzig Jahren, seit 1975, als das bisherige Gotteslob eingeführt worden war:

Der Liedschatz hat sich verändert. Viele Pfarren haben eigene Liederhefte kopiert, um auch neuere Lieder und Gesänge gemeinsam im Gottesdienst singen zu können.

Die Liturgie hat sich weiter entwickelt. Die Wort-Gottes-Feier ist neu gewachsen und hat sich in vielen Gemeinden als regelmäßige Feier etabliert; Gemeinden entdecken immer mehr das Morgen- und Abendgebet der Kirche als Gemeindefeier; ein neues Bedürfnis nach freieren gottesdienstlichen Formen und geeigneten Andachten ist gewachsen.

Das liturgische Recht wurde fortgeschrieben mit neuen liturgischen Büchern: Die Feier der Trauung (1994); "Feier der Kindertaufe" (2007); "Feier des Begräbnisses" (2012) bzw. "Manuale für die Begräbnisfeier" (2013), aber auch das Werkbuch "Die Wort-Gottes.-Feier" (2004), das die Bischöfe in Österreich und Deutschland als Grundlage für die Feier von Wort-Gottes-Feiern an Sonntagen vorgegeben haben. Das Gotteslob als Liturgiebuch der Gemeinde muss diese Veränderungen abbilden.

Entwickelt haben sich auch die Sprache von Theologie und Frömmigkeit. Und das religiöse Grundwissen in der Gesellschaft hat viel an Selbstverständlichkeit verloren.

In kaum einem anderen Bereich der Kirche ist in den vergangenen 40 Jahren für alle Kirchgänger/innen so deutlich geworden, dass Kirche als Gemeinschaft von Glaubenden sich in einem dauernden Wandel befindet und tatsächlich auch spürbare Veränderungen stattgefunden haben. Das neue Gotteslob reagiert darauf, dokumentiert die Veränderungen und will seinerseits künftiges Beten und Singen gestalten und mitprägen.

 

Was ist neu?

Wer das Buch in die Hand nimmt, freut sich am gelungenen Erscheinungsbild. Beim Durchblättern des Buches ziehen drei Farbbilder die Aufmerksamkeit auf sich ebenso wie ein tiefes Rot, das als Hintergrundfarbe bei den Inhaltsübersichten die Abschnitte des Buches strukturiert. Rot und Grau für Nummern und Überschriften machen die Seitengrafik freundlich und schaffen Übersichtlichkeit. 20 Grafiken der Kölner Künstlerin Monika Bartholomé laden ein zur Betrachtung.

Neu sind auch die Färbung des Papiers und die Drucktypen, die dem neuen Gotteslob eine deutlich bessere Lesbarkeit verleihen: Die neue Standard-Ausgabe entspricht in der Lesbarkeit dem bisherigen Großdruck!

Neu sind vor allem die Inhalte: Gebete und Andachten berücksichtigen verschiedene Sprachstile und Gebetsarten von großen Betern der Tradition bis hin zu heutigen Zeitgenoss/-innen aller Altersstufen. Das Repertoire der Gesänge schöpft nun aus allen Stilepochen, auch wieder aus dem 19. Jahrhundert. Die gottesdienstlichen Feiern in ihrer Vielfalt werden in einer heute zeitgemäßen Sprache erschlossen, sodass das Gotteslob neben einem Gebet- und Gesangbuch auch ein „Wissensbuch“ für wesentliche Inhalte des katholischen Glaubens ist.

 

"Jede Veränderung verlangt Umstellung, neues sich Einstellen auf das, was kommt. Das bedeutet auch, Vertrautes hinter sich zu lassen und Neues in die Hand nehmen zu müssen."

P. Ewald Volgger OT)

 

Fünf Mal das Osterlied „Der Heiland ist erstanden“

Den Stammteil, der allen 38 Diözesen gemeinsam ist, ergänzt wie bisher ein Österreichteil (Nrn. 700–999). Der ersetzt aber jetzt die bisherigen diözesanen Anhänge und Ergänzungshefte. Damit trotzdem die regionalen Bedürfnisse nicht eingeebnet werden, sind einige Lieder in mehreren Melodiefassungen aufgenommen: so z.B. fünf verschiedene Versionen des Osterliedes „Der Heiland ist erstanden“ (Nrr. 828–832). Die Zusammenführung der Diözesan-„Anhänge“ hat sich nicht nur aus organisatorischen Gründen als Vorteilhaft erwiesen; jetzt können einander die unterschiedlichen Traditionen bereichern.

Welche Ausgaben des „Gotteslob“ sind verfügbar?

Für die Feier des Gottesdiensts haben alle Pfarren die hellgraue Ausgabe „Kirchliches Eigentum“ im Standard-Format bereits erhalten. Ausgeliefert ist außerdem bereits die erste Hälfte der „Großdruckausgabe“. Ende März 2014 sollte auch in allen übrigen Pfarren, die rechtzeitig bestellt haben, der Großdruck verfügbar sein.

Für den persönlichen Gebrauch daheim sind im Buchhandel vier verschiedene Ausgaben erhältlich: die Standardausgabe in Dunkelgrau sowie (Kunst-)Lederausgaben in Schwarz, Weiß und Rot.

 

Wegen des grundlegend neuen Konzepts und Aufbaus ist das „Gotteslob“ nicht mit dem bisherigen kombinierbar. Das bisherige Gotteslob sollte daher überall durch den neuen Schatz an Gebeten und Gesängen ersetzt werden und den Glaubenden und Suchenden in allen Kirchenräumen zugänglich sein.

 

(Fortsetzung folgt. Nächstes Mal: Das Gotteslob als Gebetbuch)

 

Christoph Freilinger, Österreichisches Liturgisches Institut/Salzburg

Entstehung und Hintergründe des "Gotteslob"

Ein Video

Ein Wort zuvor...

Wortlaut des Vorworts der österreichischen Bischöfe zum neuen Gotteslob

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Lieder und Gesänge im "Gotteslob"

Im neuen "Gotteslob" finden sich rund 650 Gesänge, Kehrverse, Kanons und (Antwort-)Rufe sowie 457 Lieder.

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"Wunschlieder"

Zum Erstellen der Auswahl der Lieder im neuen "Gotteslob" wurde erhoben, welche Lieder im bisherigen "Gotteslob"  am meisten vermisst wurden - alte und neue.

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Grundsätze, Ansprüche, Kriterien

Offizielle Grundlinien für die Erarbeitung des Gemeinsamen Gebet- und Gesangbuches.

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Veränderte Sprache

Gesellschaftliche Entwicklungen verändern das Lebensgefühl: Das hat Auswirkungen auch auf Spiritualität und Frömmigkeit in einer Gesellschaft und auf die Rede von Gott.

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Verändertes religiöses Wissen

Wie mache ich das Kreuzzeichen richtig? Wie geht das Rosenkranz-Gebet? - "Basics" des christlichen Glaubens können heute nicht mehr vorausgesetzt werden.

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